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Kurzinfo IBA Emscher Park

Seit der Jahrhundertwende gibt es Bauausstellungen mit dem Anspruch, gesellschaftlichen Reformideen eine zeitgemäße bauliche Form zu geben. In der Nachkriegszeit wurden zwei Internationale Bauausstellungen in Berlin gezeigt. 1957 entstand das Hansa-Viertel als ein Experiment für modernen Wohnungs- und Städtebau.

1987 war die Aufgabe der "Neubau - IBA" die "kritische Rekonstruktion" zerstörter Stadtgrundrisse durch Bauten im postmoderner Architektur. Inspiriert durch die Berliner IBA hat das Land NRW die ökologische und ökonomische Erneuerung des Ruhrgebietes zum Thema gemacht.

Im Jahr 1989 wurde die Internationale Bauausstellung Emscher Park als ein Zukunftsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen mit zehnjähriger Laufzeit gegründet. Ihre Aufgabe war die ökologische und städtebauliche Erneuerung des nördlichen Ruhrgebiets, einem Gebiet von 800 qkm Größe. Sie sollte den früheren "Hinterhof des Ruhrgebiets auf Vordermann bringen".

In diesem Prozess des Strukturwandels arbeitete die IBA mit vielen Partnern auf einer breiten Basis: mit den Gemeinden, den Unternehmen, den Verbänden, den Initiativen und Bürgern. Die 17 Kommunen der Emscherregion sind der Bauausstellung beigetreten, dazu zählen: Duisburg, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Bottrop, Essen, Gladbeck, Bochum, Gelsenkirchen,  Recklinghausen, Herne, Herten, Castrop-Rauxel, Waltrop, Lünen, Dortmund, Kamen und Bergkamen.

Die Internationale Bauausstellung Emscher Park wirkte bewusst im nördlichen Ruhrgebiet. Die Emscher-Region ist das industrielle Kernland Europas. Hier erfolgte die Industrialisierung im Gegensatz zur Hellwegzone erst spät, dafür aber besonders rücksichtslos und im großen Maßstab.

In den letzten 10 Jahren wurden rund 120 Projekte in sechs zentralen Arbeitsbereichen entwickelt und realisiert. Die Emscher Park Bauausstellung war dabei keine Ausstellung im klassischen Sinne, sondern ein Prozess mit vielen Akteuren. In diesem komplexen Rahmen agierte die IBA GmbH als Moderator und häufig auch als Initiator. Die Verantwortung ist jeweils bei den "Trägern" angesiedelt, das sind in der Regel die Kommunen aber auch Unternehmen und Initiativen. So sind die Kontinuität und die weitere Entwicklung der Projekte auch nach dem Finale'99 gesichert.

 

Die Leitthemen

Emscher Landschaftspark

An Grün hat die Emscher-Region einiges zu bieten - aus der Vogelperspektive. Doch wer sich zu Fuß oder mit dem Rad aufmacht, um die schönen Ecken zu entdecken, stößt immer wieder an ruhrgebietstypische Grenzen: Industrieflächen, Abwasserkanäle und Verkehrstrassen.

Die Landschaft in der Region ist zersiedelt, zerstückelt, zerstört.

Damit sich an diesem Zustand langfristig etwas ändert, arbeiteten im Rahmen der IBA Emscher Park die 17 Emscher-Städte von Duisburg bis Bergkamen und der Kommunalverband Ruhrgebiet gemeinsam an einem großen Vorhaben: dem Emscher Landschaftspark.

Die Vision: Auf einer Fläche von 500qkm wird Landschaft wiederhergestellt und geschützt, Grünflächen werden miteinander verbunden. Dieses große Vorhaben knüpft an die Tradition der bereits in den 20er Jahren vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk entwickelten "Regionalen Grünzüge" A bis G an, die aber nie konsequent umgesetzt wurde. Auf dieser frühen planerischen Grundlage werden die einzelnen Nord-Süd-Grünzüge heute weiter ausgebaut und mit einem neuen Ost-West-Grünzug zu einem zusammenhängenden Parksystem von europäischer Bedeutung vernetzt.

Der Emscher Landschaftspark ist ein wesentliches Leitprojekt und das verbindende Thema der Emscher Park Bauausstellung. Er soll zum Herzstück einer neuen zukunftsorientierten regionalen Infrastruktur werden. Durch die Vernetzung isolierter Teilflächen, durch den Wiederaufbau von Landschaft sowie die Entwicklung ihrer ökologischen und ästhetischen Qualität soll die Attraktivität des Wohn- und Arbeitsumfelds von über 2 Millionen Menschen in dieser Region nachhaltig verbessert werden.

Die Palette der Vorhaben im Emscher Landschaftspark reicht von der großflächigen Entwicklung brachgefallener Flächen bis hin zu kleinsten "Baustellen", wie die Anlage von Biotopen oder Baumpflanzungen - insgesamt rund 200 Einzelmaßnahmen.

 

2.Umbau des Emscher-Systems

Als Kloake des Reviers hat sie sich über Jahrzehnte einen anrüchigen Namen gemacht - in die Geschichte wird sie als Symbol für die ökologische Erneuerung einer Industrieregion eingehen: die Emscher und ihre zahlreichen Nebenläufe.

Auf 70 Kilometer Länge durchzieht und zerschneidet die Emscher von Osten nach Westen das nördliche Ruhrgebiet, die Emscher-Region. Das Emscher-System - rund 550 Kilometer Fluss- und Bachläufe - wurde um die Jahrhundertwende, als die Bevölkerung in wenigen Jahren um Hunderttausende anwuchs und die Industrie immer größere Schmutzwassermengen produzierte,  zu einem offen geführten Abwasser-System umfunktioniert.

Die für diese Aufgaben gegründete Emschergenossenschaft - Genossen waren und sind die Kommunen sowie die Bergbau- und Industrieunternehmen der Region - begradigte die Wasserläufe, baute sie mit einer festen Betonschale aus, gab ihnen künstliches Gefälle und sicherte sie mit Deichen.      Eine Verrohrung der Abwässer, wie in anderen Ballungszentren üblich, verbot sich wegen der Bergsenkungen und der damit verbundenen Gefahr unterirdischer Rohrbrüche.

Für damalige Verhältnisse eine gewaltige ingenieurtechnische Leistung, die unter anderem bis heute dafür sorgt, dass das Schmutzwasser zu vergleichsweise günstigen Entwässerungskosten gereinigt wird.

Doch die Zeiten haben sich geändert, ökologische Belange sind in den Vordergrund getreten. Wegen der Nordwanderung des Bergbaus sind Bergsenkungen nicht mehr zu erwarten, und es ergibt sich eine neue Chance: Das Abwasser wird in unterirdische Kanäle verbannt und dezentral geklärt. Das Betonkorsett wird überflüssig. Außerdem können die Bachläufe naturnah umgestaltet werden. Tiere und Pflanzen erhalten so einen neuen Lebensraum. Die Emscher und ihre Zuflüsse gewinnen an Bedeutung - als gestaltende Strukturen in der freien Landschaft und als Erholungs- und Erlebnisräume für die Menschen in den Städten.

 

3. Arbeiten im Park

Sie waren viele Jahrzehnte lang die Herzen der Städte: Berg-, Stahl- und Hüttenwerke. Mit ihrer Stillegung verschwanden sie und hinterließen mitten in der Stadt oft fast leere Flächen.

Hier entstehen jetzt neue Orte der Arbeit. Aber etwas anders als früher.

Im Rahmen der IBA Emscher Park wurden an 19 Standorten mit einer Gesamtfläche von rund 550 Hektar moderne Gewerbe-, Dienstleistungs- und Wissenschaftsparks unter der Leitidee "Arbeiten im Park" realisiert.

Mit günstigen Raumangeboten für Existenzgründer, gut gelegenen Standorten für expandierende Unternehmen und Transferstellen zwischen Forschung und Wirtschaft.

Die Projekte wurden jeweils im Zusammenwirken von öffentlichen und privaten Investoren entwickelt und zeichnen sich durch ökologische Standards und architektonische Qualitäten aus. Sie alle liegen eingebettet in einem Park - zugänglich für alle Menschen.

Die im Rahmen der Bauausstellung realisierten "Arbeiten im Park" - Projekte beziehen sich ausschließlich auf ehemalige Industrieareale und sind durch individuelle, branchenbezogene Entwicklungskonzepte charakterisiert. Soweit möglich wurden auch Projekte zur Beschäftigung und Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen integriert.

Kette von Technologiezentren

Die Standorte werden durch ein besonderes Angebot zur Förderung von Innovation und Unternehmensgründung unterstützt. Starterhöfe, Gründer- und Technologiezentren wurden mit öffentlicher Förderung errichtet und in der Anlaufphase auch unterstützt. Sie sollen innovative Aktivitäten bündeln, technologisch fortschrittliche Unternehmen gewinnen und damit den Technologietransfer in der Region unterstützen.

 

4. Industriedenkmäler

Über 150 Jahre Industrialisierung haben ihre Zeichen in der Region hinterlassen: gigantische Zechenanlagen, Hochöfen und Fördertürme, imposante Relikte einer vergangenen Zeit.

Heute sind die Bauten architektonische Zeugnisse und erklären die Geschichte der Region. Sie sind weithin sichtbar und bilden Landmarken, Orientierungspunkte für die Menschen in der Region und damit ein Stück Identifikation. Sie abzureißen hieße, die Region zu berauben.

Die IBA Emscher Park setzt auf den Erhalt der denkmalwerten Zeugen der Industriekultur. Historische Zechengebäude werden umgenutzt für Wohnen, Arbeiten und Freizeit. In die alten Hallen zieht neues Leben: Kunst, Kultur, Gewerbe oder Büros. Aus einer alten Abstichhalle wird eine gigantische Bühne, Zechenhallen werden zu renommierten Ateliers.

Die kulturellen Potentiale der Region müssen zutage gefördert werden.

Schon jetzt ist das Ruhrgebiet eine der dichtesten Kulturlandschaften Europas. Dazu bietet es eine einmalige Kulisse von 200 Jahren Industriegeschichte, deren Entdeckung eine Reise wert ist. Die Region für Tourismus zu erschließen, das wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre sein. Eine Herausforderung im Umgang mit den Zeugen der industriellen Vergangenheit ist das Abwägen zwischen "Vergehenlassen" und "Erhalten". Eine andere große Herausforderung ist technischer und wirtschaftlicher Art. Gerade die Industriebauten des 20. Jahrhunderts stellen durch ihre Größenordnungen und die ihnen eigene Stahl- und Eisen-Ästhetik den Denkmalschutz vor neue Aufgaben. Zudem ist der wirtschaftliche Erhalt und Unterhalt für industrielle Großanlagen schwerer kalkulierbar. Eine Auswahl von wirklich typischen, industriehistorisch bedeutsamen Anlagen ist dabei unvermeidlich.

 

5. Wohnen und Stadtentwicklung

Dörfliche Idylle mitten im Ruhrgebiet: Die vielen Gartenstädte, die traditionellen Arbeitersiedlungen in der Region haben nach den vielen Siedlungsbau-Sünden der vergangenen Jahrzehnte einen höheren Wohn- und Lebenswert denn je. Zum Glück wurden die meisten Siedlungen gerettet. Bei ihrer Sanierung steht die Mieterbeteiligung im Mittelpunkt.

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park spielt der Wohnungsbau in rund 25 Projekten eine zentrale Rolle für die Stadtentwicklung, bei der Reaktivierung von Brachen, für städtebauliche und architektonische Impulse auf den Bauplätzen und bei der Entwicklung von Wohn- und Gewerbeparks in zentralen Lagen.

Gesamtumfang: Rund 2.500 Neubauwohnungen und die Erneuerung von 5.000 Wohnungen im Bestand. Etwa 75 % des Wohnungsneubaus sind öffentlich geförderte Mietwohnungen. Die besonderen Qualitäten hier: Die neuen Wohnungen entstehen unter ökologischen, sozialen, städtebaulichen und ästhetischen Vorzeichen. Moderne, ansprechende Architektur mit viel Platz für Kinder - das ist kein Widerspruch.

Das Engagement von nationalen wie internationalen Architekten und Planern in den Wettbewerben und Realisierungsverfahren war ein wesentlicher Bestandteil der Planung, um abstrakt angestrebte Qualität auch "auf die Baustelle" zu bringen. Berücksichtigt werden in den Projekten die Bedürfnisse Alleinerziehender, Behinderter, älterer Menschen, Kinder. Auch an Familien mit kleinem Geldbeute] ist gedacht. An ihrem zukünftigen eigenen Haus arbeiten sie im Rahmen der Projektfamilie "Einfach und selber bauen" mit. Ihre Muskelhypothek hilft Geld sparen.

 

6. Soziale Initiativen, Beschäftigung und Qualifizierung

Wandel, so wie er sich zwischen Duisburg und Dortmund vollzieht, braucht die gesammelten Kräfte der Region. Unzählige Ruhrgebietsbürger arbeiteten bei Projekten der IBA mit. Sie halfen, neue Siedlungen lebenswert zu machen, sie entwickelten Ideen für die Nutzung von alten Gebäuden, sie halfen, die Geschichte der alten Zechen und Hüttenwerke zu verstehen, oder sie arbeiteten aktiv an der Gestaltung ihrer Naherholungsgebiete mit. Diese Menschen trugen und tragen wesentlich die Entwicklung der Region.

Einige dieser Initiativen haben sich zu Beschäftigungs- und Qualifizierungsträgern entwickelt, die insbesondere jungen Langzeitarbeitslosen einen Weg zurück zum Arbeitsmarkt bahnen.

In vielen Projekten der IBA werden diese jungen Menschen tätig: bei der Sanierung von alten Zechenhallen, beim Bau von Radwegen oder bei der Gestaltung von Grünanlagen. Arbeitslose zu integrieren und neue Arbeitsfelder zu erschließen, ist ein Ansatz, der in allen Arbeitsbereichen der IBA verfolgt wird.

 

IBA-Chronologie

 

September 1987

Besuch des damaligen Städtebauministers Dr. Christoph Zöpel mit einer Gruppe von Fachleuten bei der Internationalen Bauausstellung in Berlin

Mai 1988

Ankündigung der Internationalen Bauausstellung Emscher Park durch den Ministerpräsidenten vor der Landespressekonferenz

November 1988

Kabinettsbeschluss über das Programm der Internationalen Bauausstellung Emscher Park und Bekanntgabe des Memorandums I

Dezember 1988

Gründung der Internationalen Bauausstellung Emscher Park GmbH mit Sitz in Gelsenkirchen als eine Gesellschaft des Landes zur Steuerung dieser Bauausstellung

Mai 1989

Offener Projektaufruf an die kommunalen Gebietskörperschaften, die Unternehmen und die Initiativen in der Region mit Einsendung von über 400 Projektideen als Folge

1990 bis 1994

Schwergewicht der Arbeit bei der Planung der ausgewählten Projekte mit über 60 Wettbewerben oder wettbewerbsähnlichen Verfahren

1994/1995

Zwischenpräsentation der Planung und der inzwischen realisierten Vorhaben

1996

Ergänzende thematische Akzente für die Arbeit der IBA Emscher Park in der 2.Periode bis 1999 - formuliert im Memorandum II

1996

Die Internationale Bauausstellung Emscher Park als deutscher Beitrag zur Architekturbiennale in Venedig

1995 bis 1999

Schwerpunkt bei der Realisierung der einzelnen Projekte

1998/1999

Mehrere Kommissionen befassen sich mit organisatorischen und thematischen Regelungen für die Zeit nach der Internationalen Bauausstellung Emscher Park 1999

Sommer 1999

Abschlusspräsentation: Finale´99

 

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